Treuer Freund…

… am Abend. Vermutlich gehört dieser goldige Vierbeiner dem Nachtwächter. Immer wenn es dunkel wird, streunern er und sein Kollege durch den Garten. Ich mag den richtig gerne, der hat so flauschige Öhrchen und ist ganz brav. Aber hier haben die eine etwas andere Beziehung zu Tieren. Hier sind das nur Nutztiere – sowas wie Haustiere kennen die gar nicht. Als wir letztens bei einer Schule waren und auch dort ein Hund herum lief, hab ich einen Schüler gefragt ob das Tier einen Namen hat. Der meinte nur so „dog“ und verscheuchte den Hund, der dann geduckt und mit eingezogener Rute weg lief. Die Frage hätte ich mir auch wirklich klemmen können…

Heute haben wir wieder einige Zeit im Auto verbracht. Zuerst brachten wir zwei Schüler in ein Lehmdorf – die verbringen dort ihre Sommerferien, denn Eltern haben die beiden nicht mehr – eine Mutter (aus dem Lehmdorf) hat sich angeboten, die beiden während der Ferien bei sich aufzunehmen… die Jungs haben sich jedenfalls gefreut… ist vielleicht besser als sein ganzen Leben in der Schule zu verbringen. Die Fahrt dahin war… abenteuerlich. So eine Ruckel-Partie hab ich noch nicht erlebt – selbst hier in Afrika nicht! Danach sind wir in ein Krankenhaus gefahren. Das war sehr groß und glaubt mir, da möchte keiner Patient sein!! Viele Menschen waren da, die Räume waren irgendwie nur duch halbhohe Wände geteilt, pro Zimmer gab es 6-8 Liegen, viele Fliegen flogen herum – Hygiene = Fremdword. Eher würde ich tausende Euro zahlen um mich in Deutschland behandeln zu lassen, als dort nur eine Kanüle gesetzt zu bekommen! No way!!

 

 

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Die Kids

Name: Willy

Alter: vielleicht 6/7 Jahre

Info: hat Epilepsi, war anfangs total unruhig und brummelig, ist jetzt sehr ruhig und schläfrig.

 

Name: Margaret

Alter: ca. 14/15 Jahre

Info: erstes Kind mit 13, dann verheiratet mit einem 61-jährigem, lebte danach auf der Straße, bekam dort ihr zweites Kind. Wo und was mit den Kindern ist, ist unbekannt. Zurückgebliebenes Mädchen, aber bei der Geschichte kein Wunder

Name: Isaac

Alter: ??

Info: ganz armes Kerlchen!

 

 

 

Name: Lavender

Alter: ca. 6 Jahre

Info: ganz fröhliches Mädchen, kann ein bisschen sprechen, sitzt die meiste Zeit über in ihrem Plastikstuhl, kann nichts selbstständig machen.

 

Name: Cyril

Alter: ca. 6/7 Jahre

Info: unauffälliges Mädchen, ist teilweise selbstständig, hat Tage an denen sie viel lacht, verbringt ihre Zei vor’m Tv.

 

Name: Dan

Alter: ??

Info: ist unselbstständig, hat hin und wieder Schreianfälle, mag nicht so gerne angefasst werden.

 

Name: Bramwel

Alter: 6/7 Jahre

Info: Down-Syndrom, quirlig, lustig, voller Energie, relativ unkompliziert, selbstständig

 

 

Namen: Frankol (li) und Sam (re)

Alter: beide 4

Info: Sam: Kleinwüchsig, lustig, unkomplziert, selbstständig.               Frankol: komplett gesund, lieb, selbstständig, unkompliziert

 

 

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Motorcycle

Maike und ich sind heute Motorrad gefahren. Nicht auf deutsche Art, sondern auf afrikanische. Ein Afrikaner fuhr, ich saß in der Mitte, Maike hinter mir. Also zu dritt auf so einem schicken Zweirad. Ohne Helm, versteht sich in diesem Lande von selbst. Ich hatte keine Angst, es hat super viel Spaß gemacht und ich war verwundert, wie viel Power das Motorrad trotz so vieler Mitfahrer hatte. Ich glaub noch nicht mal, dass es ein „reines“ Motorrad war. Das war so’n zwischen Ding aus Roller und Motorrad. Der Grund warum wir damit fuhren? Sammy hatte das Auto und wir mussten schließlich zur Kirche… die war… interessant. Wir saßen auf Plastikstühlen, der Raum glich einer Sporthalle, die Bühne war mit vielen verschieden farbigen Tüchern umhangen. Erst wurde eine halbe Stunde gesungen, dann kam ein Typ, hat irgendwas gepredigt wovon ich ganze -1% verstanden habe und zum Schluss wurde nur Geld gesammelt, Geld gesammelt, Geld gesammelt. Wir sind zum Glück eher gegangen, sonst säßen wir vermutlich immer noch dort. Die Roller-Fahrer haben uns wieder eingesammelt und uns bei einem angenehm warmen Fahrtwind nach Hause gebracht. Heute war (bis jetzt) der einzige Tag, an dem durchgehend die Sonne geschienen hat. Deshalb hat es sich auch angeboten, die gesamte Zeit draußen zu verbringen. Ich hab die Zeit sehr genossen – mal habe ich mit den Kids gespielt, dann wieder nur zugesehen und zum Ende des Tages saßen Zoe, Maike, die Kids und ich zusammen auf einer Decke und haben gequatscht. Für meine Augen war dieser Tag auch mal eine Entlastung – man nimmt hier so viel auf und sieht so unendlich viel – da tut mal so’n Gammel-Tag sehr gut!
Ich wünsche euch einen wunderschönen Abend :-*

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Unterwegs.

Heute konnten wir ausschlafen. Aber um 9 Uhr war der Spaß schon vorbei. Zum einen wurde wieder Wäsche gewaschen (per Hand!). Zum anderen sind hier merkwürdige Vögel, die sehr sehr laute Geräusche von sich geben. Gegen 11 Uhr sind wir in das Lehmdorf gefahren, dass nur paar hundert Meter von uns entfernt aufgebaut ist. Das ist viel größer als ich zuerst angenommen hatte. Zwei Stunden haben wir dort verbracht, haben einige Familien besucht und (mal wieder) einiges gesehen. Gesehen habe ich zum Beispiel, dass schon die Kleinsten mit eingebunden werden. Ein Mädchen, vielleicht 3-4 Jahre alt, musste mit einem für sie viel zu großen Kanister Wasser holen. Die Wasserstelle konnte nur über einen steilen Berg erreicht werden. Zwei mal musste sie gehen. Zwei mal habe ich sie gehen sehen, sollte ich wohl besser schreiben.
Danach sind wir zu einer Schule gefahren. Auch dort wird übernachtet, deswegen haben wir einige Kinder angetroffen. Nachdem wir eine kurze Führung mitgemacht hatten, saßen wir auf einer Mauer – die Kinder um uns herum. Zwei Mädels haben versucht mir ihre Muttersprache bei zu bringen und haben mir die Zahlen von 1-20 + paar Wörter aufgeschrieben. Das muss ich jetzt lernen… Zum Lunch sind wir in die Stadt gefahren und sind auf dem Rückweg nach Hause mal wieder ordentlich in den Regen gekommen. Als es irgendwann aufgehört hat, fuhren wir zu einer anderen Schule, in der auch Säuglinge aufgenommen und versorgt werden. Diese Babys wurden per Zufall irgendwo gefunden. Eines zum Beispiel im Gebüsch, wie ich mitbekommen habe. Zurzeit sind in der Schule fünf Babys. Sie lagen auf einem Ehebett, in dem Raum standen noch zusätzlich vier oder fünf Hochbetten, mit zum Teil kranken Kindern, bei der allgemein bekannten, stickigen Luft. Ein Mädchen, Fiona, war – seitdem ich aus dem Auto gestiegen bin – die ganze Zeit an meiner Seite und ließ mich nicht für eine Sekunde aus den Augen. Wir waren lange dort, Maike hat paar Volleyball-Spielkameraden gefunden, während Zoe, Sammy und ich in der Sonne saßen und zu schauten… mit ganz vielen Kindern im Schlepptau, versteht sich von selbst, oder?! Als wir gegen 17 oder 18 Uhr wieder zuhause ankamen, war kurze Zeit später für bestimmt eine Stunde Stromausfall. Jetzt ist er wieder da, hura.
Und das war’s erstmal von mir. Tschöööökes

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Straßenkinder

In der 12. Klasse haben wir ungefähr ein Jahr „street kids“ durchgenommen. Mir hing dieses Thema total aus den Ohren heraus. Außerdem fand ich das Thema nicht „greifbar“. Hier ist es allerdings sehr wohl greifbar. Und das ist unglaublich schrecklich zu sehen! Sammy hat immer mal wieder Kontakt mit den Straßenkinder von Kitale. Dementsprechend stehen die Kids immer vor ihrem Auto, wenn wir zum Beispiel zurück aus dem Supermarkt kommen. Letztens habe ich acht Kinder gezählt. Teilweise trugen sie keine Schuhe. Dann waren dicke Lehmklumpen an ihren Füßen zu sehen. Wenn sie Schuhe getragen haben, waren diese bis auf einige Milimeter komplett durch gelatscht. Wie die Kleidung aussah muss ich glaub ich nicht wirklich ausführlich beschreiben: löchrig, dreckig und geruchsintensiv. Und jedes dieser Kinder hatte eine Flasche Klebe bei sich.
Das ist wirklich schlimm!

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„Schlamm walking“

Ein Kind aus unserer Gruppe mit Down-Syndrom namens Bramwel sollte von Sammy und ihrer Mannschaft adoptiert werden. Seine Eltern leben noch – leben in einem Lehmdorf. Da so eine Adoption auch hier schriftlich festgehalten muss, mussten wir uns mit Bramwels Mutter bei der Polizei treffen. Zuerst ging es also mit dem Auto in Richtung Lehmdorf. Als der Wagen am Straßenrand geparkt war, liefen wir einige Minuten glitschige Trampelpfade entlang. Viele Kinder sind uns gefolgt, trauten sich aber nicht so richtig näher zu kommen. Irgendwann erreichten wir ein Lehmhaus und sollten drinnen Platz nehmen. Ein kleiner Tisch und paar Stühle nahmen schon mehr als die Hälfte des Hauses ein. Im hinteren Teil standen Säcke, in denen sich Nahrung befand. Auf dem Boden krabbelten unzählige Ameisen. Die Wände waren komplett aus Lehm, als Dach diente ein Wellblech. Bramwel sagte sofort: „Hier will ich nicht bleiben!“ Musste er auch gar nicht. Denn als seine Mutter kam (eine freudige Begrüßung blieb aus) ging es schon wieder zurück in Richtung Auto. Da kam der „double-glitschi-Effekt“ auf: die Flip-Flops rutschten auf dem Schlamm, die Füße in den Flip-Flops. Innerhalb weniger Minuten waren wir bei der Polizei, es wurde kurz gesprochen, dann hat der Polizist etwas aufgeschrieben und unterschrieben und schon war das Thema gegessen. Der Raum war nur mit dem nötigsten ausgestattet: Ein Schreibtisch, paar Stühle, ein Regal mit zerfledderten Akten und paar Postern an der Wand. Kein Computer, kein Telefon. Und keine Polizeiautos. Auch keine Uniform. Die Verabschiedung verlief schnell, wobei ich glaube, dass es der Mutter schwer fiel. Mir tat sie jedenfalls unendlich leid! Aber sie weiß mit Sicherheit, dass es ihrem Sohn bei Sammy um einiges besser geht, als bei ihr, in einer Lehmhütte.

Unsere nächste Station war die Schule, die wir am zweiten Tag besichtigt hatten. Ab heute sind Sommerferien und Sammy hat es sich zur Aufgabe gemacht, einige der Kinder nach Hause zu fahren. Also fuhren wir sechs Kinder nach Hause. Das siebte hat wahrscheinlich keins mehr und wohnt deshalb – zumindest für heute und die nächsten Tage – bei uns. Seine Mutter ist nicht mehr auf ihrem Handy erreichbar und keiner weiß, wo sie wohnt. Der kleine Frankol ist vielleicht gerade einmal vier Jahre alt.

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Sprache

Hatte ich schon erwähnt, dass die Kiddis hier gar kein Englisch sprechen? Manche können es verstehen, aber standart Sprache ist hier Suaheli. Die Afrikanerinnen, die hier wohnen, können zwar Englisch, sprechen es aber kaum. Deswegen rede ich nicht ganz sooo viel. Mit den Kindern spreche ich trotzdem Englisch. Blöd ist nur, wenn sie irgendwas erzählen und man einfach nichts checkt. Dann heißt es einfach „lächeln und winken.“ In dem Fall wohl eher Lächeln und nicken 🙂
Übrigens ist das Wasser wieder da. Dafür war aber heute Abend der Strom für einige Minuten verschwunden. Mehrmals hinter einander. Das ist aber nicht weiter tragisch.
Das war’s von mir. Einen schönen Abend euch. Tschüüüüss mit üssss

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Schule

Entschuldigt, aber gestern hat unser Internetstick versagt, deswegen konnte ich erst heute den Eintrag von gestern posten. Jetzt ist der Stick hoffentlich ohne weitere Probleme einsatzbereit.
Heute sind wir eine Schule für behinderte Kinder besichtigen gegangen, die gute 1,5 Stunden von Kitale entfernt war. Die Fahrt dort hin war wieder interessant. Als wir in der Schule ankamen, wurden wir zunächst allen Lehren vorgestellt und haben dann mit dem Schulleiter gesprochen. Bzw. hat er erzählt. Blöd war nur, dass ich weniger als 1% davon verstanden habe. Das irische-englisch mag ich doch lieber… wie auch immer, nachdem er mit seinem Vortrag fertig war, wurde uns die Schule gezeigt. Auch hier übernachten viele der Kinder. Die Räume sind eng und der Geruch ähnelt dem eines Kuhstalles – nur in abgeschwachter Form. Es ist wirklich krass und ich frage mich immer wieder, wie Menschen es aushalten können in solchen Verhältnissen zu wohnen. Aber ich glaube, dass diese Kinder sehr dankbar dafür sind, denn sonst müssten sie auf der Straße leben. Und das ist noch krasser, ich hab letztens schon Bekanntschaften mit Straßenkindern gemacht. Das war furchtbar. Aber dazu später mehr.
Jetzt sind wir jedenfalls wieder Zuhause. Auf der Rückfahrt hat es geschüttet wie aus Eimern – „Regenwege“ waren innerhalb von Sekunden gefüllt und wurden kleine, reißende Bäche.
Heute Abend kommen bestimmt nochmal paar Bilder. Bis dahin, seid lieb gegrüßt 🙂

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Bilder!

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Das Krankenhaus

Nachdem wir gestern gefrühstückt und mal wieder ausreichend Tv gesehen hatten, sind wir das Krankenhaus besichtigen gegangen, in dem Zoe vor ihrem Praktikum bei Sammy gearbeitet hatte. Die Anlage war ganz schön, das eigentliche Krankenhaus klein und zum Glück kaum besucht. Vermutlich kommen dort auch nur Mütter hin, um ihre Kinder zu gebären. Hygienisch ist das natürlich überhaupt nicht zu vergleichen mit Deutschland. Alles stand dort offen herum – Verbände, Pflaster, Creme etc… und die Fliegennetzte waren auch nicht mehr so richtig dicht. Auf dem Gelände selbst waren auch noch eine Schule und eine Kirche. Als wir unseren Rundgang beendet hatten, sind wir zu einem anderen waisenähnlichen Haus gefahren. In dem waren 11 oder 12 Kinder untergebracht, die alle wieder ganz offen gegen uns Fremden waren. Danach sind wir in die Stadt gefahren, weil Isac, ein Kind aus unserer Gruppe, öfters Blut erbrochen hatte. Also ging es zum Arzt. Die „Praxis“ bestand aus drei Zimmern: direkt im Eingangsbereich war das Wartezimmer. Links vom Eingang waren das Behandlungszimmer und ein weiteres Wartezimmer (also im gleichen Raum. Jeder konnte quasi gucken, was der Arzt so fabriziert). Rechts vom Eingang hatte sich das Labor eingerichtet. Jeder kommt und geht wann er will – Anmeldung gibt es nicht. Wir saßen einige Minuten im Durchzug, als Maike und ich entschlossen uns draußen in die schöne warme Sonne zu setzten. Für uns ist es wirklich angenehm warm, ich tippe mal so auf ca. 25°C, aber für die Afrikaner müssen die zurzeit herrschenden Temperaturen der absolute Albtraum sein – 95% tragen lange Klamotten, Wollpullover –und Mützen. Und wir sitzen da mit Tshirt und kurzer Hose. Ha ha
Irgendwann kamen Sammy, Zoe und der mit einem Infekt diagnostizierte Isac aus der Praxis und wir fuhren wieder nach Hause. Dort waren alle Kids im Garten, was mir sehr recht war. Denn die meiste Zeit (zumindest die letzten 3 Tage, wie es davor war weiß ich ja nicht) saßen wir nämlich den größten Teil unserer Zeit im Wohnzimmer vor’m Tv ab. Das finde ich ja immer ein bisschen anstrengend. Allerdings haben Maike und ich beschlossen, die Kids am Vormittag mit in den Garten zu nehmen… zumindest so lange die Sonne scheint.
Als wir dann so da saßen, mit alle Mann, standen plötzlich zwei Kinder im Garten. Ein Kleines, etwa 3-4 Jahre und ein etwas älteres, vielleicht 10 Jahre. Der Kleine konnte gar nicht richtig laufen. Grund war, dass unter seinen Fußsohlen Fliegen ihre Eier abgelegt haben. Das war nicht wirklich appetitlich. Der Kleine kam aus dem Lehmdorf… das erklärt wahrscheinlich schon einiges.

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